IN-BERLIN
Bei uns gibt's das ganze Internet ...

Druckbare Version
Stand: 06:45, 17. Mai 2012

Router-Test

Die Router verwenden praktisch ausnahmslos Javascript oder gar Java, um auf den Konfigurations-Seiten die Eingabemasken anzupassen (z.B. wenn man von DHCP auf PPPoE umschaltet, wo andere Eingaben benötigt werden), oder zum Prüfen der getätigten Eingaben.
Daher kommt es leider dazu, dass die Web-Interfaces nicht mit jedem Browser komplett und fehlerfrei funktionieren. Ich rate daher, mehrere Browser auszuprobieren, damit man überhaupt alle Funktionen zu Gesicht bekommt:-) Die meisten Hersteller testen offenbar nur mit dem Internet-Explorer, der geht also (fast) immer. Nur - wer benutzt den schon?
Außerdem haben alle irgendwelche Bugs bzw. eigenwillige Interpretationen von Standards, die verschiedene Dinge erschweren oder unmöglich machen. Es ist leider nicht ganz einfach, Testseiten im Web zu finden, weil die Suchmaschine verschmutzt ist durch Fang-Seiten, die auf kommerzielle Seiten einschlägiger Provider mit dem & in der Mitte oder ebenso einschlägige Versteigerungs-Seiten. Die Seite Tom's Hardware Guide wertet eher die Einwahl-Zeit - diese ist für uns mit einem Volumentarif mit 24-h-Nutzung uninteressant, und die Preisklasse ist vielleicht auch recht optimistisch... Für uns sind eher automatische Wieder-Anwahl, mehrere IP-Nummern und für wohl viele von uns auch Konfiguration unter Linux, SNMP und dergleichen wichtig.

Ich habe einige Router günstig bei dem o.g. Versteigerungshaus er"standen" (die Preise scheinen aber gestiegen zu sein, so günstig habe ich die Dinger in letzter Zeit nicht mehr gesehen), getestet und folgende Merkmale zusammengetragen:

  1. Devolo Microlink LAN Router
    Devolo ist ein Nachfolger von ELSA. Devolo veranstaltete im September 2002 für die Opfer des Elbe-Hochwassers diverse Versteigerungen, deren Erlös gespendet wurde, da habe ich den erworben, für 112 EUR.
    • Kunststoffgehäuse, LEDs für Link, 100 MBit, FD.
    • Webinterface mit Konqueror und Mozilla/Linux "komisch", geht mit Netscape 4 und IE und hat auch eine deutsche Version (von dieser stammen die "weißen" Screenshots von der Anleitungsseite).
    • Kann zusätzliche lokale Subnetze auf ein Gateway routen. Hat man mehrere IP-Nummern vom Provider, müssen diese von einem anderen Rechner geroutet werden. Stellt man NAT aus, lässt er nur eine IP-Nummer durch.
    • Verbindet nach Trennung automatisch neu, wenn die Idle-Zeit auf 0 steht.
    • Traceroute mit UDP (wie bei Linux üblich) geht nicht, nur mit ICPM (je nach Linux-Version mit traceroute -I icmp oder traceroute -I).
  2. PheeNet BIG-01-4B
    September 2003, 15,50 EUR, Neuware
    • Süßes, türkisfarbenes Metallgehäuse. Schaltnetzteil wird sehr warm. Nur eine LED pro Port. Auto-MDI.
    • Web-Interface geht nicht mit Netscape 4, aber mit Mozilla und Konqueror2, sowie IE. Von diesem Router stammen die "grün-gelben" Screenshots von der Anleitungsseite).
    • Kann zusätzliche lokale Subnetze auf ein Gateway routen. Erlaubt einzelne Host-Routen, hat man mehrere IP-Nummern vom Provider, kann man NAT auschalten und diese mit Netmask 255.255.255.255 und GW=Host eintragen. Damit sind auch Netzadresse und Broadcast nutzbar.
    • Verbindet nach Trennung nicht automatisch neu.
    • Trennt bestehende Sessions (ssh z.B.), wenn eine Trennung erfolgt, auch wenn er hinterher die gleiche IP-Nummer wieder bekommt.
    • Traceroute mit UDP (wie bei Linux üblich) geht nicht, nur mit ICPM (je nach Linux-Version mit traceroute -I icmp oder traceroute -I).
    • Erzeugt, wenn die Verbindung idle ist, nach kurzer Zeit im Sekunden-Takt Echo-Requests. Das stört zwar nicht, aber schön ist es nicht, die dürften als Traffic mitzählen.
  3. Edimax BR-6004+
    Oktober 2003, 18,50 EUR, gebraucht, ohne Konsolenkabel (selbst angefertigt)
    • Größeres Metallgehäuse, viele LEDs. Bleibt kalt, kann also unter anderen Geräten stehen.
    • Webinterface mit Java, die Java-Applets machen neben der WWW-Verbindung auch noch Verbindungen zu Ports 9800 ff., die müssen genauso geroutet sein wie Port 80. Geht dann aber mit allen Java-fähigen Browsern (!).
    • Kann zusätzliche lokale Subnetze auf ein Gateway routen. Hat man mehrere IP-Nummern vom Provider, kann man diese als Subnetz eintragen, es wird dann korrekt gehandhabt. Netzadresse und Broadcast-Adresse sind nicht nutzbar.
    • Verbindet nach Trennung nicht neu, egal wie die Idle-Zeit steht. Man kann aber den SNMP-Trap nutzen, um ein Ping loszuschicken. Hat als einziger eine LED, die eine stehende PPPoE-Verbindung anzeigt, und nicht nur den Link des eingesteckten Netzwerkkabels.
    • Kann SNMP (nur lesend), SNMP-Traps beim Booten, Trennen und Verbinden, tftp für die Konfig und Unix-Syslog, hat serielle Konsole und Telnet-Interface. Theoretisch Fallback auf Modem/ISDN (ist aber extrem langsam, offenbar nur Software-Handshake).
  4. GetNet GR-8104P (mit Printserver)
    November 2003, 30,50 EUR, Neuware
    • Keilförmiges Kunsstoffgehäuse. Nur eine LED pro Port, kein Uplink (Foto offenbar von einer noch etwas besser ausgestatteten Version).
    • Webinterface mit Konqueror "komisch", geht aber mit Mozilla/Linux, Netscape 4 und IE.
    • Kann keine zusätzlichen Subnetze, erlaubt aber, mehrere externe IPs auf mehrere lokale abzubilden, somit mehrere IPs nutzbar.
    • Trennt bestehende Sessions (ssh z.B.), wenn eine Trennung erfolgt, auch wenn er hinterher die gleiche IP-Nummer wieder bekommt.
    • Verbindet nach Trennung nicht automatisch neu.
    • Printserver schiebt Leerseite nach, wenn gemäß RFC mit #0 abgeschlossen wird. Sendet NACK, wenn im d-File-Paket Länge 0 steht, geht aber, wenn man statt #0 einfach die Verbindung trennt (der mitgelieferte Windows-Client macht das so). Dazu muss man den lpr/cups patchen. Immerhin sind Nur-Printserver deutlich teurer und können dann auch kein PPPoE:-)
    • Kann SNMP (nur lesend, steht nicht im Handbuch, geht aber).
Während des Testens habe ich die Router an den vorhandenen Switch angeschlossen, und dadurch zufällig bemerkt, dass nicht alle vertragen, wenn ihr WAN-Teil mit dem LAN-Teil verbunden wird (was aber bei PPPoE eigentlich möglich sein müsste). Sie verhielten sich dabei wie folgt:
  • Devolo: Es geht gar nichts. Offenbar wird die WAN-Mac-Adresse vom eigenen Switch verschluckt. Geht aber, wenn WAN und LAN auf einem anderen Switch vereint werden.
  • PheeNet: Geht problemlos.
  • Edimax: Geht zeitweise, dann blockiert er minutenlang, offenbar läuft ein Speicher über oder er meint, einen Hack-Angriff abwehren zu müssen.
  • GetNet: Geht zeitweise, dann treten Multicast-Stürme auf, offenbar wird ein eingehendes Multicast-Paket im Kreis geschickt.
Interessant ist dieses Verhalten für Leute, die mehrere Zugänge haben, und diese gleichzeitig nutzen wollen (z.B. T-Online und IN-Berlin), und dabei einen der Zugänge vom Rechner aus, den anderen per Router realisieren möchten.

Datei: /support/in-dsl/router.html
Letzte Änderung: Dezember 2003